Als wir im Januar 2020 unser Keshwa Child Welfare Center in Indien eröffneten, hatten wir große Pläne: Wir wollten Mädchen und Frauen die Chance geben, einen Beruf zu erlernen und damit ihr eigenes Leben selbstbestimmter zu gestalten. Wenige Monate später kam die Pandemie – und all unsere Vorhaben mussten ruhen.
Trotz aller Rückschläge haben wir nicht aufgegeben. Während das Leben auf der Welt langsam zur Normalität zurückfand, eröffneten wir eine Schule, die bis heute erfolgreich Kindern Bildung schenkt. Die von der indischen Regierung in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung für unsere Ausbildungsprogramme blieb jedoch aus.
Also haben wir im Frühjahr 2023 selbst die Initiative ergriffen: Wir starteten unser eigenes Skill-Programm. Zunächst mit Kursen im Schneiderhandwerk und Mode-Design – heute bilden wir darin jedes Jahr rund 120 Mädchen und Frauen aus. Seit Frühjahr 2025 gibt es zusätzlich einen zweiten Ausbildungszweig: Kosmetik und Friseurwesen. Dort lernen die Teilnehmerinnen alles von Henna-Tattoos über Gesichtspflege bis zu grundlegenden Friseurtechniken. Vier engagierte Ausbilderinnen begleiten sie auf diesem Weg.
Was diese Ausbildung bewirkt?
Für viele Frauen bedeutet sie weit mehr als einen neuen Beruf. Sie bedeutet Freiheit. Die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen. Die Hoffnung, sich ein unabhängiges und würdiges Leben aufzubauen – für sich und ihre Familien.
Nach ihrer Ausbildung legen die Frauen eine Prüfung ab und erhalten bei Erfolg ein staatlich anerkanntes Zertifikat. Damit können sie sich offiziell registrieren und oft schon kurz darauf selbstständig arbeiten. Mikrokredite helfen ihnen dabei, die ersten wichtigen Anschaffungen wie eine Nähmaschine zu finanzieren.
Jede dieser Frauen geht ihren eigenen Weg. Und jeder dieser Wege beginnt mit einer Chance – die wir gemeinsam ermöglichen.
Wir führen in regelmäßigen Abständen Befragungen unter unseren Absolventen durch, um ihre Ziele durch die Ausbildung, ihre positiven Erfahrungen und Potenziale zur Verbesserung zu erfassen. Es ist jedes Mal bewegend zu hören, dass die wichtigsten Erfolgsgeschichten (die Kernbotschaften) stets dieselben sind: die gewonnene Unabhängigkeit durch ein eigenes Einkommen und die Möglichkeit, die eigene Familie zu fördern.
